Können Pflanzen politisch sein?

Im Rahmen einer Exkursion besuchte der Q12-Geographiekurs von Herrn Gauckler am 08.05.2026 die Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg sowie den Botanischen Garten Erlangen. Zu Beginn des Tages nahmen wir an einer Vorlesung von Professor Dr. Achim Bräuning an der Universität teil, in der verschiedene Photosynthesewege und die Anpassung von Pflanzen an unterschiedliche Klimazonen behandelt wurden. Dabei wurden die Unterschiede zwischen C3-, C4- und CAM-Pflanzen erklärt und gezeigt, wie Pflanzen mit Hitze, Trockenheit oder intensiver Sonneneinstrahlung umgehen. Außerdem wurde deutlich, welche Rolle Wasser, Temperatur und Licht für das Wachstum von Pflanzen spielen und wie stark Klima und Vegetation miteinander zusammenhängen. Besonders interessant war dabei, dass manche Pflanzen deutlich besser an extreme Umweltbedingungen angepasst sind als andere. Mit diesen theoretischen Grundlagen ging es anschließend weiter in den Botanischen Garten, wo viele der besprochenen Inhalte anschaulich aufgegriffen wurden.

Dort stand schließlich eine eher ungewöhnliche Frage im Mittelpunkt: Können Pflanzen politisch sein? Anfangs wirkte diese Frage überraschend, doch schon während der ersten Stationen der Führung wurde deutlich, wie eng Pflanzen mit Themen wie Nachhaltigkeit, globalem Handel, Konsum oder sozialer Gerechtigkeit verbunden sind. Bereits beim Betreten des Tropenhauses fiel die warme und feuchte Luft auf, die sofort an einen tropischen Regenwald erinnerte. Die dichte Vegetation, die riesigen Pflanzen und die besondere Atmosphäre unterschieden sich deutlich von den Wäldern, die wir aus Deutschland kennen. 

Während der Führung erfuhren wir viel über die Bedingungen im tropischen Regenwald. Anders als in Europa gibt es dort keine klassischen Jahreszeiten wie Frühling, Sommer, Herbst und Winter, sondern ein sogenanntes Tageszeitenklima. Die Temperaturen bleiben das ganze Jahr über relativ konstant und es regnet fast täglich. Uns wurde erklärt, dass etwa 2000 Millimeter Niederschlag pro Jahr notwendig sind, damit tropischer Regenwald entstehen kann. Durch die Kombination aus Wärme und Feuchtigkeit wachsen Pflanzen dort besonders schnell. Gleichzeitig herrscht jedoch ein starker Konkurrenzkampf um Licht und Nährstoffe.

Besonders spannend war der Aufbau des Regenwaldes mit seinen verschiedenen Stockwerken. Über den Baumkronen ragen sogenannte „Übersteher“ oder „Emergenten“ hinaus, also besonders hohe Bäume, die weit über die übrigen Baumkronen hinausragen, um möglichst viel Sonnenlicht abzubekommen. Da am Boden des Regenwaldes nur sehr wenig Licht ankommt, haben viele Pflanzen besondere Anpassungen entwickelt, um überhaupt genügend Licht zum Überleben zu erhalten. Manche Pflanzen bilden deshalb besonders große Blätter aus, um möglichst viel Sonnenlicht aufnehmen zu können. Gleichzeitig müssen sie verhindern, dass sich durch die starken Regenfälle Wasser auf den Blättern sammelt. Deshalb besitzen viele tropische Pflanzen sogenannte Tropfspitzen, über die das Wasser schnell ablaufen kann.

Auch Kletterpflanzen und Lianen sind typische Anpassungen an die Bedingungen des Regenwaldes. Sie wachsen an anderen Pflanzen nach oben und gelangen dadurch schneller ans Licht, ohne selbst einen dicken Stamm bilden zu müssen. Dadurch sparen sie Energie und können schneller wachsen. Besonders beeindruckend war außerdem der Bambus, dessen Wachstum anhand einer Messlatte erklärt wurde. Einige Bambusarten wachsen innerhalb weniger Tage mehrere Zentimeter und gelten deshalb als besonders schnell nachwachsender Rohstoff. Gleichzeitig wurde jedoch erklärt, dass Nachhaltigkeit oft komplizierter ist, als sie zunächst erscheint. Bambus gilt zwar als umweltfreundliche Alternative zu Holz, wird jedoch häufig aus China importiert. Durch die langen Transportwege entstehen wiederum neue ökologische Probleme.

Ein weiterer Schwerpunkt der Führung war das empfindliche Gleichgewicht des tropischen Regenwaldes. Durch das warme und feuchte Klima werden abgestorbene Pflanzenreste extrem schnell zersetzt und die enthaltenen Nährstoffe direkt wieder aufgenommen. Deshalb sind die Böden des Regenwaldes trotz der dichten Vegetation oft überraschend nährstoffarm. Wird dieses Gleichgewicht beispielsweise durch Abholzung gestört, verliert der Boden innerhalb weniger Jahre seine Fruchtbarkeit und kann sich nur sehr langsam erholen. Uns wurde erklärt, dass manche Flächen Jahrzehnte benötigen, um sich wieder zu regenerieren. Außerdem erfuhren wir mehr über sogenannte Wurzelpilze, die Pflanzen miteinander verbinden und möglicherweise sogar eine Art Kommunikation zwischen ihnen ermöglichen.

Im zweiten Teil der Exkursion beschäftigten wir uns intensiver mit Pflanzen, die politische oder wirtschaftliche Bedeutung haben. Gemeinsam überlegten wir, welche Pflanzen politische Auswirkungen haben könnten und warum. Genannt wurden dabei unter anderem Kaffee, Baumwolle, Kakao oder Zuckerrohr. Besonders ausführlich wurde jedoch die Banane behandelt. Anhand verschiedener Bilder und Aufgaben lernten wir die Probleme moderner Bananenplantagen kennen. Da Bananen meist in riesigen Monokulturen angebaut werden, sind sie besonders anfällig für Krankheiten und Schädlinge. Deshalb werden häufig große Mengen an Pestiziden eingesetzt, die sowohl die Umwelt als auch die Gesundheit der Arbeiterinnen und Arbeiter belasten können.

Besonders erschreckend war die Information, dass Arbeiter teilweise sogar während des Versprühens von Pestiziden auf den Plantagen arbeiten müssen. Außerdem erfuhren wir, dass viele Bananen gewaschen werden müssen, um Rückstände der Chemikalien zu entfernen. In Gruppen ordneten wir verschiedene Bilder zwischen „nachhaltig“ und „unnachhaltig“ ein und beschäftigten uns mit unterschiedlichen Siegeln auf Bananen aus dem Supermarkt. Dabei diskutierten wir über faire Arbeitsbedingungen, Mindestpreise und nachhaltigere Produktionsweisen. Gerade dadurch wurde deutlich, wie eng unser eigenes Konsumverhalten mit globalen wirtschaftlichen und ökologischen Problemen verbunden ist.

Die Exkursion machte insgesamt deutlich, dass Pflanzen weit mehr sind als nur Bestandteile der Natur. Sie beeinflussen unseren Alltag, unseren Konsum und globale wirtschaftliche Zusammenhänge oft stärker, als man zunächst denkt. Durch die Mischung aus wissenschaftlicher Vorlesung, Führung und praktischen Aufgaben konnten viele Inhalte deutlich besser verstanden werden als nur im Unterricht. Insgesamt war der Tag nicht nur informativ, sondern auch abwechslungsreich und regte immer wieder zum Nachdenken an. Und eines ist nach diesem Tag sicher: Bananen im Supermarkt sehen wir jetzt definitiv mit anderen Augen.

Hevidar Özdemir, Q12